Kapitel 1

»karath berith« – einen Bund schneiden

Die Bibel bezeugt uns immer wieder, daß Gott sich den Menschen offenbarte. Zuletzt offenbarte er sich in seinem Sohn Jesus Christus. So wurde der unsichtbare Gott sichtbar. Er hatte die Gestalt eines Menschen. Dennoch wurden die Schwierigkeiten, Gott wirklich zu erkennen, dadurch nicht geringer. Um die Menschen über das Himmelreich zu lehren, erzählte ihnen Jesus Gleichnisse. Er begann bei dem, was den Menschen anschaulich und vertraut war. Indem er von dem Verhalten eines irdischen Vaters erzählte, wurde der himmlische Vater in seiner erbarmenden Liebe plötzlich erkennbar. Jesus benutzte das Irdische, das Geschaffene, um das Ungeschaffene und Ewige den Zuhörern nahe zu bringen. Dabei riskierte er es aber auch, mißverstanden zu werden. Nicht jeder hatte die gleichen Vatererfahrungen gemacht. Einige Zuhörer erfüllte vielleicht allein schon das Wort „Vater“ mit Zorn, und sie waren nicht in der Lange weiter zuzuhören. Es scheint dennoch keinen Weg zum Verständnis der himmlischen Wirklichkeiten ohne die Brücke über die irdischen Worte, Begriffe, Anschauungen und Erfahrungen zu geben. Gott knüpft daran an, aber er gibt durch Offenbarung oft ein ganz neues Verständnis.

In der Bibel offenbart sich Gott als ein Gott des Bundes. Wenn wir nun kein Verständnis davon haben, was ein Bund bedeutet, dann bleibt uns Wesentliches von der Selbstoffenbarung Gottes verborgen, und das wird Einfluß auf unsere Beziehung zu dem lebendigen Gott haben.

Die Offenbarung Gottes an Abraham fand in einer geschichtlich konkreten Zeit statt, in der die Menschen Bündnisse nicht so abschlossen, wie wir uns das heute vorstellen.

In 1. Mose 15, 18 heißt es : „An diesem Tage schnitt Gott einen Bund mit Abraham…“

Die hebräischen Wörter sind „karath“ und „berith“. Sie werden immer wieder verwandt, wenn in der deutschen Übersetzung von „Bund schließen“ die Rede ist. Das Wort „karath“ ist ein Verb, das schneiden ( einschneiden, abschneiden, zerschneiden) bedeutet. „Berith“ ist ein Nomen, das auf die Wurzel „barah“ oder „bara“ zurückgeführt wird. Die Wurzelwörter bedeuten : schneiden, auswählen, speisen.

Etymologische Forschungen weisen darauf hin, daß zu der Zeit, als die Menschheit noch in Stammesgesellschaften zusammenlebte, Bündnisse in der Form eines Blutsbundes geschlossen wurden. Bei jedem Bundesschluß floß Blut. Ohne Blutvergießen war kein Bund gültig.

Wenn in der Bibel also von einem „Bund schneiden“ berichtet wird, dann knüpft dieser Ausdruck an ein damals noch vorhandenes Wissen und Verständnis der Leser um die Art und Weise, wie solch ein Bund geschnitten wurde, an. Und hier beginnt unser Problem: Leider wird nirgendwo vollständig geschildert, auf welche Art und Weise der Bund geschnitten wurde. Die einzige Bibelstelle, aus der wir überhaupt von einem Schneiden etwas Genaueres erfahren, findet sich in Jeremia 34,18-19: Und ich will die Männer, die meinen Bund übertreten haben, die die Worte des Bundes nicht gehalten, den sie vor mir geschlossen haben, wie das Kalb machen, das sie entzweigeschnitten und zwischen dessen Stücken sie hindurchgegangen sind: die Obersten von Juda und die Obersten von Jerusalem, die Hofbeamten und die Priester und das ganze Volk des Landes, die zwischen den Stücken des Kalbes hindurchgegangen sind, die will ich in die Hand ihrer Feinde geben und in die Hand derer, die nach ihrem Leben trachten.

Es scheint für die verschiedenen Schreiber der biblischen Bücher selbstverständlich gewesen zu sein, daß jeder mit der Art, wie ein Bund geschnitten wurde, vertraut war. Deshalb erwähnten sie bei ihren Berichten nur Details, die von Mal zu Mal auch verändert werden konnten. Wir werden uns in den nächsten Kapiteln damit noch eingehend beschäftigen.

Wenn Gott aber, wie ich meine, an das vorhandene Verständnis eines Blutsbundes anknüpfte, als er mit Abraham einen Bund „schnitt“, dann dürfte es auch für den modernen Bibelleser wichtig sein, sich mit diesem Verständnis vertraut zu machen.

Durch den Blick auf Blutsbundriten, die von vielen anderen Völkern bezeugt sind, läßt sich ein Verständnis dafür entwickeln.

Weiter zu Kapitel 2: Blutsbundriten der Völker

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